Gewerbe am Haslacher Hof stößt auf breite Ablehnung 20.4.2010 Schwäbische Zeitung Markdorf
MARKDORF / li Eine Entscheidung ist zwar noch nicht gefallen, doch eines hat die Diskussion am Dienstagabend im Gemeinderat deutlich gemacht: Bürgermeister Bernd Gerber wird sich schwer tun, für die Ausweisung einer gewerblichen Entwicklungsfläche beim Haslacher Hof im Zuge der Fortschreibung des Flächennutzungsplans eine Mehrheit zu finden.
Dass die Umweltgruppe sich dagegen wehren würde, mitten hinein in einen regionalen Grünzug ein Gewerbegebiet zu setzen (die SZ hat berichtet), das war abzusehen. Die deutlichsten Worte wählten aber andere. Ittendorfs Ortsvorsteher Thomas Gessler (CDU) zum Beispiel: „Wir können und dürfen den Bürgern aus Ittendorf, den Bürgern Markdorfs insgesamt nicht zumuten, hier ein komplett neues Gewerbegebiet zu eröffnen.“ Im Zusammenhang mit der Südumfahrung habe es immer geheißen, dass es dort -- wo die Südumfahrungen Markdorf und Bermatingen auf die B33 treffen sollen -- kein Gewerbe geben werde. „Ich bitte alle, sich daran zu erinnern und zu binden“, so Gessler.
Als „absolut nicht tauglich“ für ein Gewerbegebiet bezeichnete SPD-Sprecher Uwe Achilles den Standort am Haslacher Hof. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass das der Beginn einer Zersiedelung wäre“, so Achilles. Um alternative Flächen für ein interkommunales Gewerbegebiet zu finden, müsse man auch außerhalb des Gemeindeverwaltungsverbands Gespräche führen – zum Beispiel mit Friedrichshafen und Salem. Ähnlich äußerte sich Susanne Sträßle (CDU) und forderte Überlegungen in Richtung einer Gewerbepoolbildung. „Für mich bedeutet interkommunale Zusammenarbeit nicht, dass Markdorf 28 Hektar zur Verfügung stellen muss“, sagte Sträßle.
Beifall gab’s dafür von der Umweltgruppe, die sich mit Wortbeiträgen selbst zwar zurückhielt, ihre Position durch Fraktionschef Hansjörg Renner aber trotzdem unmissverständlich klar machte: „Hier würde ein neuer Siedlungsschwerpunkt entstehen, den wir so nicht akzeptieren werden.“ Die Vorgaben des Regionalplans, der das Gebiet als Grünzug ausweist, sei bindend und zu respektieren. Noch nicht festlegen auf eine klare Meinung wollten sich die Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler, Dietmar Bitzenhofer, und der CDU, Alfons Viellieber. Beide stellten fest, dass gewerbliche Flächen wichtig seien, äußerten sich zum vorgesehenen Standort aber kritisch.
Bürgermeister Bernd Gerber sieht’s im Prinzip genauso, betonte allerdings, dass es in der gesamten Region keine unproblematische Fläche in vernünftiger Größe gebe. „Wenn Friedrichshafen irgendwo 100 Hektar ausweist und wir uns dranhängen können, dann bin ich der Letzte, der dagegen ist“, so Gerber. Dass es irgendwo in anderen Kommunen möglicherweise noch Flächen mit weniger Konfliktpotenzial gebe, entbinde die Stadt Markdorf nicht von der Pflicht, die eigenen Hausaufgaben zu machen – und der Verantwortung als Unterzentrum gerecht zu werden. „Dass ich Prügel beziehen werde, ist mir klar“, so der Bürgermeister. Er sei aber überzeugt, dass diese Gewerbeflächen notwendig seien, um Markdorf erfolgreich weiterentwickeln zu können.
In den nächsten Wochen soll es zur Fortschreibung des Flächennutzungsplans eine Bürgerinformation in der Stadthalle geben.
(Erschienen: 20.04.2010 22:05)
Zusatzinformationen zum Download
aktualisiert von Susanne, 30.01.2012, 18:55 Uhr |